HVHS Niedersächsischer Landesverband der Heimvolkshochschulen e.V.

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Jahrestagung zur Zukunft der Heimvolkshochschulen

Gäste der Jahrestagung 2010
Brauchen Heimvolkshochschulen einen neuen Bildungsbegriff? Oder liegt ihre Zukunft gerade im bewährten, ganzheitlichen Ansatz und in den traditionellen Angeboten? Darüber hat der Landesverband der Heimvolkshochschulen bei seiner Jahrestagung 2010 mit geladenen Gästen aus Wissenschaft und europäischer Erwachsenbildung diskutiert. Unter anderem war auch der niedersächsische Minister für Wissenschaft und Kultur, Lutz Stratmann, zu Gast.


Die Jahrestagung am 11. März 2010 fand sehr passend in Hermannsburg statt. Denn die HVHS Hermannsburg ist die älteste evangelische Heimvolkshochschule Deutschlands und hat im November 2009 ihr 90-jähriges Bestehen gefeiert. Doch vor noch nicht zwei Jahren wurde das Haus für ein besonders innovatives Bildungsangebot für junge Erwachsenen als "ausgewählter Ort im Land der Ideen" ausgezeichnet: "Moving Times - Zeit für Veränderung" heißt dieses jährlich wiederkehrende, fünfmonatige Projekt zur Persönlichkeitsentwicklung. Der Kurs ist eine Weiterentwicklung des traditionellen Winterkurses der Ländlichen Heimvolkshochschulen.

Unter dem Titel "Zukunft der Heimvolkshochschulen" diskutierten die Delegierten und ihre Gäste in Hermannsburg mit Professor (em.) Dr. Horst Siebert von der Leibniz Universität Hannover, Professorin Dr. Sabine Remdisch von der Leuphana Universität Lüneburg sowie Kari Kinnunen, Leiter der Työväen Akatemia in Finnland. Sie tauschten sich über die Aktualität des ganzheitlichen Bildungsansatzes der Heimvolkshochschulen aus, über ihre Zusammenarbeit mit Hochschulen und die Entwicklung der Erwachsenenbildung in Europa.

"Besondere Lernorte "

Jahrestagung 2010: Minister Stratmann, der scheidende Vorsitzende   und sein Nachfolger Zwanzig der 22 vom Land anerkannten Heimvolkshochschulen in Niedersachsen waren in Hermannsburg vertreten. Jens Rejmann aus Celle, 14 Jahre lang Vorsitzender des Verbandes, betonte in seiner Begrüßungsrede, Heimvolkshochschulen seien ganz besondere Lernorte in der Erwachsenenbildung - nicht nur, weil sie Lernende während mehrtägiger Seminare auch unterbringen und verpflegen.

Innenhof der HVHS   Hermannsburg "Bei uns können sich intensive Lernprozesse vollziehen, ganzheitliches, sozial integrativ und fachübergreifend", versicherte Rejmann. Angebote wie der fünfmonatige Orientierungskurs "Moving Times" in Hermannsburg seien eine Rarität in der Bildungslandschaft, die ansonsten zu oft nur auf schnellen Nutzwert ziele. Der Ansatz einer umfassenden Persönlichkeitsbildung, dem die Heimvolkshochschulen folgen, sei heute mindestens so relevant wie in früheren Zeiten. (Die Begrüßungsrede von Jens Rejmann finden Sie hier im Wortlaut.)

Heimvolkshochschulen seien zentrale Akteure bei der Umsetzung des Bildungsauftrages, bestätigte auch Minister Lutz Stratmann in seinem Grußwort. Ihr Angebot des Lernens mit Zeit und Raum sei durch Angebote im Internet nicht zu ersetzen.

Heimvolkshochschulen bieten nachhaltiges Lernen

Jahrestagung 2010: Detlef Grote Dorothee Prüssner, Wolfgang Wulf Zur Aktualität des Bildungsbegriffs der Heimvolkshochschulen referierte Dr. Horst Siebert, bis 2007 Professor für Erwachsenenbildung an der Leibniz Universität Hannover. Er untersuchte die Zukunftsfähigkeit der Heimvolkshochschulen unter anderem anhand neuer Erkenntnisse aus der Lernforschung.
"In Heimvolkshochschulen spielt der Bildungsbegriff eine größere Rolle als in allen andern Bildungseinrichtungen inklusive der Universitäten", lautete eine These. Während Hochschulen überwiegend " träges Wissen " (so der Fachbegriff) vermittelten, gehe es in Heimvolkshochschulen immer schon um " nachhaltiges Lernen " - ein Lernen, das sich biografisch verankert, verfügbar bleibt und das man nicht vergisst. Dabei müssten auch immer Emotionen beteiligt sein: "Lernen muss Freude bereiten, das zeigen neue Studien. Heimvolkshochschulen liegen da ganz vorn", so Siebert. Im Anschluss an sein Impulsreferat diskutierte er in einem Round-Table-Gespräch mit Jürgen Schneider (HVHS Hermannsburg), Rainer Bungenstock (Leiter der HVHS Loccum) und Dietrich Burggraf (Leiter der HVHS Hustedt).

Sehr zukunftsorientiert sind die niedersächsischen Heimvolkshochschulen bei der Zusammenarbeit mit Hochschulen, deren Angebote an Studierende sie mit den besonderen Stärken ihres Lernortes unterstützen können. Darüber sprachen Dr. Thomas Südbeck (Leiter der HÖB Papenburg), Dr. Peter Straßer (HVHS Hustedt, Mitarbeiter des EFRE-Projektes zur Erstellung innovativer Lernmaterialien und Konzepte), Gerd Schumacher (Leiter der HVHS Springe) mit Dr. Sabine Remdisch, Professorin an der Leuphana Universität Lüneburg.

In einem dritten Round-Table-Gespräch lotete Kari Kinnunen, Leiter der Työväen Akatemia (Arbeiterakademie) in Finnland mit Kolleginnen und Kollegen aus niedersächsischen Heimvolkshochschulen Perspektiven europäischer Bildungsarbeit aus. Am Austausch nahmen teil: Wolfgang Borchardt, Leiter der HVHS Mariaspring; Monja Krafft, Mit-Koordinatorin des nifbe-Projektes "Lernen in und über Europa hinaus" des Europahauses Aurich und Reimund Berger, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied im Internationales Haus Sonnenberg.