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"Zukunft einkaufen" in Heimvolkshochschulen
Einrichtungen, die sich in der Umweltbildung engagieren, müssen bei sich selbst anfangen, um glaubwürdig zu sein. Die Katholische Landvolkhochschule Oesede und das Ludwig-Windthorst-Haus (LWH), Heimvolkshochschule in Lingen, zum Beispiel tun das: Sie sind Testeinrichtung des Projektes "Zukunft einkaufen - glaubwürdig wirtschaften" der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland. Die Kirchen haben als zweitgrößter Arbeitgeber Deutschlands mit Gemeinden, Bildungshäusern, Verwaltungsstellen, diakonischen und caritativen Einrichtungen eine große Marktmacht. Mit dem Projekt "Zukunft einkaufen" wollen sie dauerhaft ihre Beschaffung von Energie und Waren an ökologischen und sozialen Standards umweltverträglich und fair ausrichten. Das zunächst bis Juni 2010 laufende Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert. Am Schluss soll die Kampagne "Die Kirche macht's vor - Zukunft einkaufen" andere Einrichtungen motivieren, ebenfalls nachhaltig einzukaufen.
Am Anfang steht die Analyse
Die Heimvolkshochschulen in Oesede und Lingen haben als teilnehmende Einrichtungen des Projektes zunächst sehr gründlich analysiert, wie ihr Verhalten bei Energie, Wasser und Recycling, in Hauswirtschaft, und Veranstaltungsorganisation bei Einrichtung, Büromaterial, Fahrzeugen, Blumenschmuck, Außenanlagen, Umweltkompetenz und Kommunikation eigentlich aussieht. Auf dieser Basis und im Vergleich mit den Ergebnissen aus anderen Häusern haben sie dann Verbesserungen im Sinne einer nachhaltige Beschaffung geplant.
Heute wird in Oesede (wie in vielen Heimvolkshochschulen) von Lernenden und Mitarbeitern nur noch Kaffee aus fairem Handel getrunken und auf Recycling-Papier geschrieben, bei Möbeln wird auf Tropenhölzer verzichtet. Eine Solaranlage erzeugt Strom, der Altbau wurd energetisch saniert und mit nachhaltigen Rohstoffen gedämmt, ein Dach wurde begrünt, eine Pflanzenkläranlage errichtet und vieles mehr.
Ökologisches Verhalten hat sich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern durchgesetzt: Inzwischen ist es selbstverständlich, dass sie eine voll aufgedrehte Heizung im Vorbeigehen auf das Notwendige drosseln. "Wir wissen jetzt, was es kostet, einmal die Aula zu beleuchten", so Dr. Andreas Belle vom LWH Lingen.
Wie kann man "Zukunft einkaufen"? Hier geht es zu einem Videoclip , in dem Johannes Buß von der KLVHS Oesede die Sache erklärt.
Ausbildung von „Beschaffungsmentoren"
Schon seit 1992 betreibt das LWH Lingen eine Solaranlage. Seit 2004 sind zwei Blockheizkraftwerke mit neuartiger Wärmepumpentechnik in Betrieb: Sie verwenden Kohlendioxid als Kältemittel, um die Abwärme des Kühlwassers einer benachbarten Erdölraffinerie für die Wassererwärmung zu nutzen. Eine 2009 begonnene Sanierung dient der energetischen Ertüchtigung des Gesamtgebäudes: Unter anderem werden Wände und Dächer gedämmt, die Fenster saniert und energiesparende Technologien eingesetzt. Dies alles wird die CO2-Bilanz noch einmal deutlich verbessern.
Auch die Küchen handeln ökologisch: Milch und Fleisch, Obst und Gemüse kommen aus der Region. Schon mit Beginn der Fastenzeit 2002 hatte das LWH Lingen zusammen mit anderen Bildungshäusern des Bistums Osnabrück die Aktion „7 Wochen regional" gestartet. Schnell wurde allen Beteiligten im Hause klar, dass die dahinterstehende Idee es wert war, weiter verfolgt zu werden. So hat das Haus nach und nach die regional-saisonale Küche umgesetzt. Im Winter gibt es nun keine weitgereisten Tomaten, sondern vielleicht Rote Beete. Und in der Spargelzeit wird zum Beispiel viel Spargel geboten.
"Beschaffungsmentoren" wachen in den Teams der HVHS Oesede und im LWH Lingen darüber, dass die selbst festgelegten Standards wirklich eingehalten werden. Seit dem Jahr 2010 geben beide Heimvolkshochschulen ihr Wissen gemeinsam weiter und bilden Beschaffungsmentoren für kirchliche Einrichtungen aus.
Lesen Sie mehr im Infoportal "Zukunft einkaufen - ökofaire Beschaffung" der "Wirtschaftsgesellschaft der Kirchen in Deutschland" (WGKD).
